Was ist eine Strickjacke und wie stylt man sie?
Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine Strickjacke und wie unterscheidet sie sich vom Pullover?
- Welche Arten von Strickjacken gibt es?
- Wie wählst du die Länge einer Strickjacke für deine Figur?
- Wie trägst du eine Strickjacke im Alltag?
- Kann eine Strickjacke im Büro einen Blazer ersetzen?
- Welche Stile behandeln die Strickjacke als festen Bestandteil?
- Was du nicht zu einer Strickjacke kombinieren solltest
- Wie wäschst und lagerst du eine Strickjacke?
- Häufig gestellte Fragen
Der Morgen ist vier Grad zu kalt für ein Hemd allein und sechs zu warm für einen Mantel. Eine Strickjacke ist ein vorn offener Pullover ohne Kapuze, und genau in dieser Lücke ist sie am besten. Drinnen ziehst du sie aus, an der Tür wieder an.
Was ist eine Strickjacke und wie unterscheidet sie sich vom Pullover?
Eine Strickjacke ist ein Pullover mit offener Vorderseite, die sich über die ganze Länge öffnen lässt, und das ist das einzige Merkmal, das sie vom Modell zum Überziehen trennt. Der Name geht auf James Brudenell zurück, den siebten Earl of Cardigan, einen britischen Befehlshaber aus dem Krimkrieg, der eine gestrickte Jacke unter der Uniform trug. In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts verließ der Schnitt die Armee und wurde von zivilen Garderoben aufgenommen.
Der technische Unterschied hat praktische Folgen. Ein geschlossener Pullover muss über den Kopf, sein Ausschnitt muss also weit genug sein, um die Schultern passieren zu lassen, und das begrenzt, was am Hals passieren kann. Eine Öffnung vorn hebt diese Grenze auf: Eine Strickjacke kann einen hohen Kragen haben, ein tiefes V oder eine schlichte Linie am Hals, denn beim Anziehen muss sich nichts dehnen. Deshalb bieten offene Modelle unter den Pullovern am Ausschnitt mehr Vielfalt als solche zum Überziehen.
Welche Arten von Strickjacken gibt es?
Strickjacken teilen sich zuerst nach der Länge, denn die Länge entscheidet, wo die Linie eines Looks endet und wie sich die Proportionen einer Silhouette verändern. Schnitt und Maschendicke sind zweitrangig gegenüber dem Punkt am Körper, an dem der Saum fällt.
| Typ | Wo der Saum fällt | Wann er funktioniert |
|---|---|---|
| Kurz, Bolero | die Taillenlinie | zu tailliertem Kleid und hoch sitzendem Rock |
| Hüftlang | die breiteste Stelle der Hüfte | bei hohem Bund, wenn die Taille sichtbar bleiben soll |
| Lang | halber Oberschenkel oder Knie | als Außenschicht zwischen 10 und 16 Grad |
| Wasserfall | Knie, mit drapierten Vorderteilen | zu schmalen Unterteilen, denn er trägt vorn auf |
| Oversize | Hüfte oder Oberschenkel, weiter Schnitt | zu schmalen Hosen und engem Oberteil, nie zwei weite Schichten |
Die beiden äußersten Varianten brauchen das meiste Nachdenken. Eine kurze Strickjacke hebt die Taillenlinie optisch und verlängert das Bein, sie braucht aber ein hoch sitzendes Unterteil, sonst legt sie die Lücke zwischen zwei Schichten frei. Ein Wasserfall führt das Auge in die andere Richtung: Die drapierten Vorderteile bilden eine senkrechte Linie, er verträgt also kein weites Unterteil und sieht über einem schmalen Bein am besten aus.
Das Material entscheidet, wie lange eine Strickjacke ihre Form hält:
- Merinowolle. Federnd und fein, sie kehrt nach dem Ausziehen in die Form zurück und funktioniert als Schicht unter dem Mantel.
- Kaschmir. Am wärmsten bei geringster Dicke, aber nach einem Dutzend Trageeinheiten pillt es an den Reibungsstellen.
- Mohair. Ein langer Flor gibt Volumen und gestreutes Licht, verlangt aber Handwäsche und liegendes Trocknen.
- Baumwolle und Viskose. Kühler auf der Haut und gut für den Jahreszeitenwechsel, sie beulen jedoch an den Ellenbogen früher aus.
Wie wählst du die Länge einer Strickjacke für deine Figur?
Die Länge einer Strickjacke entscheidet über die Proportionen, denn die untere Kante des Gestricks bildet die stärkste waagerechte Linie im ganzen Look. Wähl so, dass diese Linie nicht auf die breiteste Stelle deiner Silhouette fällt.
Unter 165 Zentimetern hält eine hüftlange Strickjacke das Bein in sichtbarer Proportion, während ein knielanges Modell es optisch um gut zehn Zentimeter verkürzt. Bei ausgeprägter Taille gibt ein kurzer Schnitt mit Gürtel am meisten, oder ein offen getragenes Modell, bei dem die Vorderteile an den Seiten herunterlaufen und die Mitte frei lassen. Bei breiteren Schultern vermeide Puffärmel und Polster, denn eine Strickjacke trägt in der oberen Hälfte ohnehin auf. Ein dichtes Gestrick zeigt im Seitenlicht die Struktur seiner Maschen, und in Bewegung fällt ein schwereres Gestrick senkrecht statt zu schwingen, was die Linie von selbst schmaler macht.
Wie trägst du eine Strickjacke im Alltag?
Im Alltag funktioniert eine Strickjacke am besten als mittlere Schicht, zwischen einem dünnen Oberteil und einer Jacke, und nicht als das Einzige außen. Darunter braucht sie etwas Glattes: ein Baumwolltop, ein Seidenunterhemd oder ein feines Hemd.
Drei Anordnungen funktionieren zu jeder Jahreszeit. Offen über einem Teil aus den Kleidern verkürzt sie die freie Fläche der Arme, ohne die ganze Silhouette zu schließen. Zu geraden Hosen und einem in den Bund gesteckten Oberteil bleibt die Taillenlinie sichtbar, ein kürzeres Modell liest sich also leichter als ein langes. Bis zum Hals geknöpft ersetzt eine Strickjacke das Oberteil ganz und braucht dann darunter nichts außer einem feinen Teil aus den T-Shirts und Tops.
Ein Detail entscheidet, ob ein Look durchdacht liest. Der Ärmel einer Strickjacke sollte am Handgelenk enden oder zwei bis drei Zentimeter darüber umgeschlagen sein, nie die halbe Hand bedecken. Ein zu langer Ärmel verkürzt den Arm und lässt die ganze Schicht wie aus einer größeren Größe geliehen wirken, selbst wenn der Rest des Schnitts stimmt. Dasselbe gilt für ein Rippenbündchen, das das Handgelenk nicht mehr hält, sobald es ausgeleiert ist.
Kann eine Strickjacke im Büro einen Blazer ersetzen?
Eine Strickjacke ersetzt einen Blazer überall dort, wo der Dresscode bei Smart Casual endet, und sie verliert nur da, wo ein Look Struktur an der Schulter verlangt. Ein Blazer hat Polster und ein Futter, die die Schulterlinie unabhängig von deiner Haltung halten. Gestrick folgt dem Körper, es zeigt die Silhouette also so, wie sie ist.
Fürs Büro wähl eine Strickjacke mit glatter Masche, einfarbig, mindestens zur Hälfte geschlossen. Zu einem Teil aus den Hemden und gebügelten Hosen liest sie sich als vollständiger Look und nicht als zusätzliche Schicht. Wenn ein Termin das Gewicht hat, bei dem du zu etwas aus den Blazern greifen würdest, bleib dabei: Keine Masche bildet nach, was ein Schulterpolster leistet.
Welche Stile behandeln die Strickjacke als festen Bestandteil?
Eine Strickjacke taucht in vier Ästhetiken auf, die sonst wenig gemeinsam haben, und jedes Mal spielt sie eine andere Rolle. Das ist ein nützlicher Hinweis beim Kauf: Ein Schnitt bedient nicht alle vier.
Im Preppy ist die Strickjacke eine Schicht über einem Hemd mit Kragen, meist kurz, glatt, in Marineblau oder Flaschengrün, oft mit Kontrastborte am Hals. Im Business Casual steht sie für einen Blazer ein, sie braucht also eine dichte Masche und einen schlichten Schnitt ohne Verzierung. Im Boho ist es umgekehrt: je länger, lockerer und strukturierter, desto besser, und eine Ajourmasche ist ein Vorteil und kein Fehler. Im Minimalismus zählt nur eines, die Abwesenheit von Details, die gewählten Modelle haben also keine Kontrastknöpfe und liegen farblich nah am Rest eines Looks.
Wenn du eine Strickjacke für mehrere Jahre kaufst, wähl aus der zweiten Gruppe. Eine glatte Masche und ein schlichter Schnitt wandern ohne Charakterwechsel ins Preppy und in den Minimalismus, während ein Ajourmodell im Boho bleibt und sich nicht ins Büro tragen lässt.
Was du nicht zu einer Strickjacke kombinieren solltest
Eine Strickjacke verzeiht fast alles bis auf eines: dasselbe Volumen in einer zweiten Schicht zu wiederholen.
- Kombinier keine Oversize Strickjacke mit weiten Hosen, denn zwei weite Schichten verwischen die Taillenlinie und verkürzen die ganze Silhouette.
- Vermeide es, ein schweres Gestrick unter einem taillierten Mantel zu tragen, denn die Masche presst sich in den Ärmeln zusammen und bleibt dort nach ein paar Wochen dauerhaft flach.
- Knöpf eine Strickjacke nie ganz zu über einem Unterteil mit betonter Taille, denn zwei dicht beieinanderliegende waagerechte Linien teilen die Silhouette in drei Teile.
- Kombinier kein Zopfmuster mit einer zweiten ausgeprägten Textur im selben Look, denn die beiden konkurrieren und keine wird bemerkt.
Wie wäschst und lagerst du eine Strickjacke?
Eine Strickjacke muss seltener gewaschen werden als ein Hemd, denn Gestrick liegt nicht auf der ganzen Fläche an der Haut. Einmal auf sechs bis acht Trageeinheiten genügt, sofern du sie dazwischen über Nacht auslüftest.
Wolle und Kaschmir wäschst du von Hand bei bis zu 30 Grad oder im Wollprogramm mit abgeschaltetem Schleudergang. Trockne immer liegend auf einem trockenen Handtuch: Eine auf den Bügel gehängte Strickjacke dehnt sich unter dem Gewicht des Wassers an den Schultern um mehrere Zentimeter. Leg sie gefaltet ins Regal, nie auf einen Bügel, denn auch trocken bildet das Gewicht des Gestricks mit der Zeit zwei markante Spitzen an den Schultern. Dieselbe Regel gilt für Teile aus den Sweatshirts in schwereren Qualitäten.
Häufig gestellte Fragen
Was tust du, wenn eine Strickjacke an den Ellenbogen ausbeult?
Feuchte die gedehnte Stelle mit lauwarmem Wasser an, drück sie mit der Hand wieder in eine flache Form und lass sie liegend trocknen. Die Methode funktioniert bei Wolle und Kaschmir, bei Baumwolle und Acryl bleibt die Verformung meist, denn diesen Fasern fehlt die Federkraft.
Wie unterscheidet sich eine Strickjacke von einem Überwurf?
Ein Überwurf hat keinen Verschluss und meist auch keinen ausgearbeiteten Kragen, er bedeckt also nur. Eine Strickjacke lässt sich schließen und ersetzt damit ein Oberteil, statt einfach darüberzugehen.
Welche Strickjacke passt zu einem festlichen Anlass?
Wähl eine glatte Masche in einer dunklen Farbe, hüftlang, mit kleinen Knöpfen. Schwere Zöpfe und Ajour lesen sich alltäglich, wie gut der Rest des Looks auch gewählt ist.
Kann man eine Strickjacke im Sommer tragen?
Man kann, sofern sie aus Baumwolle, Leinen oder Viskose mit einer lockeren, luftdurchlässigen Masche ist. Im Sommer verdient sie sich ihren Platz vor allem abends und in klimatisierten Räumen, wo der Temperaturunterschied mehrere Grad beträgt.
Zurück zu jenem Morgen, der vier Grad zu kalt ist. Eine Strickjacke löst ihn, weil du sie mitten am Tag ausziehen kannst, ohne in etwas Unvollständigem dazustehen. Wenn du ein Gestrick für den ganzen Jahreszeitenwechsel suchst, beginn mit einem glatten hüftlangen Modell in einer Farbe, die du bei deinen Hosen schon hast.