Wie reinigst du eine Wildledertasche?
Die dunkle Stelle erscheint meist an derselben Position: dort, wo die Tasche beim Gehen an der Hüfte reibt. Eine Wildledertasche reinigt man trocken, mit einem Wildlederradierer und einer Bürste mit Messingborsten, und Wasser kommt nur als letztes Mittel ins Spiel. Die Reihenfolge zählt hier mehr als das Produkt.
Womit reinigst du eine Wildledertasche?
Wildleder ist auf der Fleischseite geschliffenes Leder, seine Oberfläche besteht also aus Tausenden kurzer Fasern, die Schmutz mechanisch und nicht chemisch festhalten. Deshalb geht die meiste Verschmutzung trocken ab, ganz ohne Flüssigkeit.
| Art der Verschmutzung | Was sie entfernt | Was nicht zu verwenden ist |
|---|---|---|
| Staub und Ablagerung aus der Luft | eine Bürste mit Messing- oder Gummiborsten | ein feuchtes Tuch |
| Ein frischer Fettfleck | Talkum oder Kartoffelstärke, 12 Stunden | Seife und Spülmittel |
| Eine glänzend abgeriebene Stelle | ein Wildlederradierer, nur in eine Richtung | Schleifpapier |
| Ein Wasserrand | die ganze Fläche gleichmäßig anfeuchten | ein Föhn oder ein Heizkörper |
| Getrockneter Schlamm | warten bis trocken, dann bürsten | Reiben im nassen Zustand |
Zwei Zeilen dieser Tabelle sparen am meisten. Ein Fettfleck wird sofort mit Talkum bedeckt, denn nach einem guten halben Tag zieht das Pulver das Fett aus den Fasern und du bürstest es einfach ab. Ein Wasserrand wird umgekehrt zur Intuition entfernt: Du trocknest die Stelle nicht, du feuchtest die ganze Seite der Tasche gleichmäßig an, damit die Grenze zwischen nass und trocken verschwindet.
Wie entfernst du einen Fleck aus Wildleder Schritt für Schritt?
Das ganze Vorgehen dauert eine Viertelstunde plus Trockenzeit und läuft auf vier Bewegungen hinaus. Fang nicht mit Wasser an, auch wenn der Fleck eingetrocknet aussieht.
- Füll die Tasche. Leg weiches Tuch oder Papier hinein, damit die Oberfläche gespannt ist und unter Druck keine Falte wirft.
- Bürste sie trocken. Kurze Züge in eine Richtung, immer mit dem Strich des Flors, nie hin und her.
- Arbeite mit dem Radierer. Drück leicht auf und arbeite nur am Fleck, weite die Fläche erst aus, wenn du einen Effekt siehst.
- Gleich die Textur an. Bürste zum Schluss die ganze Seite der Tasche, damit der Flor in eine Richtung liegt.
Übersteht der Fleck diese vier Schritte, greif erst dann zu einem speziellen Wildlederschaum. Trag ihn auf ein Tuch auf und nicht direkt auf das Leder, und arbeite über die ganze Fläche statt an einer Stelle. Punktuelles Reinigen hinterlässt einen helleren Rand, der sich hinterher nicht entfernen lässt.
Wie rettest du eine Wildledertasche nach Regen?
Wildleder härtet beim Trocknen aus, wenn es zu schnell trocknet, es zählt also die Temperatur und nicht das Tempo. Das Schlimmste, was du tun kannst, ist die Tasche an den Heizkörper zu stellen.
Füll sie mit trockenem Papier, damit sie ihre Form behält, und lass sie bei Raumtemperatur zwischen 18 und 22 Grad stehen, fern von Sonne. Das Trocknen dauert zwischen 12 und 24 Stunden. Sobald sie trocken ist, bürste die ganze Oberfläche, denn nach einer Durchnässung klebt der Flor in der Richtung zusammen, in die das Wasser lief. Erst dann gewinnt Wildleder bei Tageslicht seine matte Tiefe zurück und beginnt wieder, den Ton mit dem Blickwinkel zu verschieben, statt flach zu wirken.
Was du mit Wildleder nicht tun solltest
Vier Reflexe beschädigen Wildleder unwiderruflich, und alle kommen daher, es wie gewöhnliches Leder zu behandeln.
- Wasch Wildleder nicht mit Seife und Wasser, denn Reinigungsmittel löst die natürlichen Öle in den Fasern und hinterlässt eine steife, hellere Stelle.
- Vermeide Politur und Cremes für Vollnarbenleder, denn sie verstopfen den Flor und machen aus einer matten Oberfläche eine glänzende Stelle.
- Trockne eine Tasche nie mit dem Föhn oder auf dem Heizkörper, denn oberhalb von 40 Grad schrumpft das Leder und reißt an den Falten.
- Reib einen Fleck nicht in zwei Richtungen, denn diese Reibung bricht den Flor und erzeugt eine dauerhaft blank geriebene Stelle.
Wie schützt du eine Wildledertasche vor der Saison?
Die Imprägnierung kommt vor dem ersten Ausgang und nicht nach dem ersten Regen, und sie wird zweimal im Jahr wiederholt. Es ist die einzige Behandlung, die späteres Reinigen wirklich reduziert.
Trag das Spray aus etwa 20 Zentimetern Entfernung auf, in zwei dünnen Schichten statt einer schweren, mit einer halben Stunde dazwischen. Mach es im Freien oder am offenen Fenster und immer auf einer sauberen, trockenen Tasche, denn die Imprägnierung fixiert alles, was darunter sitzt. Dasselbe Prinzip gilt für jedes Naturlederteil unter den Taschen, auch wenn Vollnarbenleder mehr verzeiht als Wildleder. Dasselbe Spray schützt Wildlederdetails bei den Accessoires, Gürtel und Etuis eingeschlossen.
Außerhalb der Saison bewahre die Tasche gefüllt auf, in einem Baumwollbeutel, auf einem Regal und niemals an einem Haken. Plastikhüllen fallen weg, denn Wildleder muss atmen, sonst nimmt es Geruch und Feuchtigkeit auf. Klemm sie nicht zwischen Teile aus den Pullovern, denn Wollfasern haften an Wildleder und müssen danach abgebürstet werden.
Darf eine Wildledertasche in die Reinigung?
Sie darf, aber nur in einen Betrieb, der Leder und Wildleder gesondert annimmt, nicht in eine gewöhnliche chemische Reinigung. Ein Standardlösungsmittel entzieht dem Flor das Öl und die Tasche kommt steifer und heller zurück, als sie hineinging.
Wie unterscheidet sich die Pflege von Wildleder und Nubuk?
Nubuk ist auf der Narbenseite geschliffen, hat also einen kürzeren, dichteren Flor und verträgt sanfte Nassreinigung. Wildleder hat einen längeren, lockereren Flor, weshalb Wasser die Textur leichter dauerhaft verfilzt. Derselbe Unterschied gilt für Wildlederdetails an Teilen aus den Blazern.
Wie oft sollte eine täglich getragene Wildledertasche gereinigt werden?
Trockenes Bürsten einmal pro Woche genügt, damit der Flor nicht verfilzt. Eine vollständige Reinigung mit dem Radierer nur dann, wenn du blank geriebene Stellen siehst, meist zwei- oder dreimal pro Saison. Bei einer gelegentlich getragenen Tasche, neben einem Teil aus den Kleidern für Abende, reicht eine Kontrolle pro Quartal.
Passt Wildleder in Herbst und Winter?
Es passt, sofern du es regelmäßig imprägnierst, denn es ist ein optisch warmes Material und fügt sich gut in eine Herbstpalette. Bei Schnee und Streusalz ist Vollnarbenleder die klügere Wahl, lass Wildleder also für trockene Tage und kombiniere es mit einem Teil aus den Mänteln in ähnlichem Ton.
Zurück zu jener dunklen Stelle an der Hüfte. In neun von zehn Fällen geht sie allein mit Bürste und Radierer ab, ohne einen Tropfen Wasser. Drei Minuten einmal pro Woche sparen eine ganze Stunde Rettungsaktion einmal pro Saison.